Die Trauerrede
Zum freien Reden bin ich über die Trauerreden gekommen. Die erste habe ich beim Begräbnis meiner Mutter gehalten. Dort habe ich gemerkt, wie viel es ausmacht, ob die richtigen Worte fallen. Und wie sehr es hilft, wenn jemand ausspricht, was alle denken.
Danach haben mich Menschen gefragt, ob ich das auch für sie tun würde. So ist daraus ein Beruf geworden. Mittlerweile habe ich viele Trauerreden gehalten.
Was mich daran bis heute nicht loslässt: Ich bekomme tiefe Einblicke in gelebte Leben, in Familien, in Geschichten, die sonst niemand mehr erzählt. Das ist ein Vertrauen, das mir nicht selbstverständlich ist. Und es ist eine Ehre, einen Menschen ein letztes Mal so zu zeigen, wie er wirklich war.
Jede Rede entsteht neu, im Gespräch mit den Angehörigen. Nichts Vorgefertigtes, nichts Austauschbares. Jeder Mensch verdient seine eigenen Worte.


Meine Trauerreden halte ich ausschließlich für die Bestattung der Linz AG. Sagen Sie dort einfach, dass Sie mich als Redner möchten – den Rest übernimmt die Bestattung.
Lass mich schlafen,
bedecke nicht meine Brust mit Weinen und Seufzen,
sprich nicht voller Kummer von meinem Weggehen,
sondern schließe deine Augen,
und du wirst mich unter euch sehen,
jetzt und immer.
Khalil Gibran
